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Handeln durch Nicht-Handeln.

25. März 2020

Ayurveda Beratung Winterthur

Gestern bin ich zufällig über einen wunderbaren Artikel über Tao und das Lebensprinzip des Wu Wei gestolpert. Ein taoistisches Grundprinzip lautet: “Geh mit dem Fluss”. Egal, was passiert. Und indem wir uns dem Rhythmus des Lebens anpassen, erreichen wir irgendwann den Zustand des Wu Wei – des Handelns, ohne zu handeln. Des Nicht-Tuns.

Ich habe lange darüber nachgedacht und ich war so dankbar, dass ich gerade zu dieser aussergewöhnlichen Zeit über diesen Artikel gestolpert bin. Diese Gedanken und Prinzipien sind mir nicht ganz neu, da ich mich seit bald drei Jahren mit dem Buddhismus beschäftige und auch hier das “Loslassen” und das “Leid durch Anhaftung” zentrale Themen sind.

Mein Leben in den letzten Monaten und Jahren war ein einziges Hamsterrad. Familie und Selbstständigkeit haben mich permanent gefordert und wenn ich physisch nicht gearbeitet habe, so war ich zumindest mental im Dauereinsatz. Es war nicht so, dass mir das sonderlich schwer gefallen ist. Ich bin gerne aktiv und ich mag es, wenn meine Tage gefüllt sind. Mein Energielevel ist ziemlich hoch und eine Stunde nicht zu arbeiten fällt mir schwerer als eine Stunde zu arbeiten.

Vor zwei Wochen kam dann der Entscheid, dass Schulen und Kindergärten geschlossen werden. Sofort bin ich in den für mich typischen Aktionismus ausgebrochen, habe organisiert was das Zeug hält, um meiner Haupttätigkeit als Fotografin und dem Aufbau meiner Tätigkeit als Ayurvedische Köchin und Ernährungsberatin wie gewohnt nachgehen zu können. Ich wollte nicht geschehen lassen, was sowieso geschieht. Ich bin dem Lauf der Dinge mit Kampf und Anstrengung gegenübergetreten, anstatt mitzufliessen.

Der Lockdown letzte Woche hat mich in die Knie gezwungen. Fotoshootings wurden storniert, neue Kundenanfragen blieben aus. Gestern hätte ich meinen ersten Ayurvedischen Kochkurs im AtelierFoif in Winterthur geben sollen, auf den ich mich unglaublich gefreut habe. Aber anstatt innezuhalten hat mein Kopf weiter rotiert. Plötzlich findet alles online statt. Yoga, Pilates, Meditation – sogar der Schlagzeugunterricht meines Sohnes geht via Skype weiter als ob nichts gewesen wäre. Da kam auch mir die Idee, meinen Kochkurs online anzubieten. Als Fotografin bin ich auch mit dem Filmen vertraut, es wäre also keine allzu grosse Sache für mich etwas auf die Beine zu stellen. Die Zeit dazu hätte ich und finanziell würde es zumindest ein bisschen die Lücke füllen.

Aber halt. Stopp. Nein, ich will nicht. Ich will nicht gegen den Strom des Lebens schwimmen. Und genau so fühlt es sich für mich gerade an. Ich will die leeren Stunden nicht panisch auffüllen. Ich will sie leer stehen lassen und die Leere aushalten. Ich will meinen Kopf leeren und nicht weiter mit Ideen und Konzepten füllen. Ich will genau das Gegenteil von dem, was mir gerade alle raten.

Mir ist aufgefallen, wie sich zur Zeit alle gegenseitig erziehen und das Gefühl haben zu wissen, wie der “richtige” Umgang mit der Situation sei. Es gibt einen globalen Umgang in Form von Vorschriften und Anweisungen, an den sich alle halten sollten. Aber ich finde es gibt auch einen sehr persönlichen Umgang mit diesen Ereignissen, den jeder für sich selbst wählen darf. Ich habe mich dafür entschieden, die kommenden Wochen als Lernprozess zu betrachten. Ich möchte lernen, die Stille und Ruhe in mein Leben zu lassen. Handeln durch Nicht-Handeln. Wie eine Pflanze die wächst, ohne, dass sie dazu gezwungen wird zu wachsen.

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