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Dinacharya – die ayurvedische Morgenroutine.

14. März 2020

Ayurveda Beratung Winterthur

Ich war immer davon überzeugt, dass sowas wie eine Morgenroutine Menschen ohne Kinder vorbehalten ist. Mich morgens einölen, meditieren oder Yoga-Übungen machen mit einem Kleinkind (das gerade einen Anfall hat weil das Frühstück nicht seinen Vorstellungen entspricht) war für mich unvorstellbar. “Überleben” hiess das Motto.

Je mehr ich in die Welt von Ayurveda eintauchte, umso größer wurde aber mein Bedürfnis – und auch meine Bereitschaft – nach einer Morgenroutine, die mich harmonisch und ausgeglichen in den Tag starten lässt. Ayurveda geht davon aus, dass nicht nur zu den unterschiedlichen Jahreszeiten, sondern auch zu den unterschiedlichen Tageszeiten verschiedene Grundenergien herrschen, die Einfluss auf uns und unser Befinden nehmen. Morgens von 06:00-10:00 ist Kapha-Zeit. Da Kapha in seiner Eigenschaften eher etwas träge ist, brauchen auch viele Menschen morgens etwas länger um auf Touren zu kommen. Der gesamte Vorgang der Morgenroutine ist ziemlich umfangreich und für mich nicht 1:1 in die Realität umzusetzen. Ich habe aber die wichtigsten Schritte für mich rausgepickt und möchte diese gerne mit euch teilen.

Gemäss Ayurveda sollte man idealerweise vor 06:00 Uhr aufstehen. Dann herrscht noch Vata vor, was es einem leichter macht aus dem Bett zu kommen. Je später man aufsteht, desto träger ist man. Das hat wahrscheinlich jeder schon mal festgestellt. Vor allem wenn es nach 08:00 Uhr ist, was mitten in der trägen Kapha-Zeit ist. Ich persönlich stehe jeden Morgen um 06:00 Uhr auf. Das hat sich für mich als die ideale Zeit rausgestellt und ich fühle mich den ganzen Tag energiegeladen.

Gleich nach dem Aufstehen trinke ich immer ein bis zwei Gläser heisses Ingwerwasser, welches ich aus Effizienzgründen bereits am Vorabend in einer Thermosflasche vorbereitet habe. Man nennt dies auch die innere Dusche, da Schlackenstoffe ausgespült werden. Zudem regt es die Verdauung an. Danach massiere ich mich mit Sesamöl ein. Das klingt erstmal nach einem riesigen Aufwand, geht aber eigentlich nur 1-2 Minuten. Das Sesamöl ist übrigens ganz normales Öl aus dem Supermarkt (ich kaufe es immer in Bio-Qualität). Es kann auch durch andere hochwertige Öle ersetzt werden. Viele Südinder nutzen z.B. auch Kokosöl, was aber einen enorm kühlenden Effekt hat und für unsere Breitengrade deshalb eher nicht geeignet ist.

Während das Öl ein bisschen einzieht beginne ich mit den Reinigungsritualen. Ich starte mit der Nasenspülung, bei der ich mit einem kleinen Kännchen lauwarmes Salzwasser durch meine Nasenlöcher laufen lasse. Das klingt ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Ist es auch. Aber seitdem ich das mache, hatte ich nie mehr Schnupfen. Was ja irgendwie für sich spricht. Das Kännchen nennt sich übrigens NETI-Nasenkännchen und kann z.B. bei Nature First oder auch im Internet gekauft werden. Dann folgt das Zungenschaben mit einem Zungenschaber. Ich habe einen aus Kupfer und bin sehr zufrieden damit. Was ebenfalls noch dazugehören würde, wäre das “Ölziehen”. Dabei nimmt man ein 3/4 EL Sesamöl in den Mund und “zieht” das Öl während 5-10 Minuten durch den Mund. Das Öl nährt Zahnfleisch und Nerven und zieht Giftstoffe aus dem gesamten Mundraum. Ich lasse diesen Schritt weg, weil mir morgens davon ein bisschen übel wird. Das Prozedere wird mit dem normalen Zähneputzen und einer Dusche abgeschlossen. Das Öl spüle ich dann meistens mit dem Wasser weg. Wenn ich mich sehr ölig fühle, reibe ich mich manchmal in der Dusche mit ein bisschen Kichererbsenmehl ein. Das zieht das Öl gut weg und ein Peeling bekommt man noch gratis mit dazu.

Yoga und/oder Meditation gehört ebenfalls zur ayurvedischen Morgenroutine. Das schaff ich aber aus zeitlichen Gründen nicht und nehme mir deshalb am Abend ein paar Minuten Zeit für die Meditation. Was aber bei mir nie fehlen darf ist ein stressfreies Frühstück mit meinem Sohn. Dafür nehmen wir uns mindestens eine halbe Stunde Zeit. Für mich ist das meistens ein warmes Porridge. Leider isst mein Kleiner kein Porridge, weshalb ich morgens zwei verschiedene Frühstücke zubereiten muss. Das mach ich aber gerne, weil es für mich tatsächlich enorm wichtig ist und mir die nötige Energie für den Start in den Tag gibt.

Viele Eltern “beschweren” sich übrigens darüber, dass ihre Kinder kein Frühstück zu sich nehmen. Dabei handelt es sich meistens um Kapha-Kinder, die in der Kapha-Zeit von 06:00-10:00 Uhr keinen Hunger verspüren. Das ist absolut ok und man sollte diese Kinder auch nicht zwingen etwas zu essen. Viel wichtiger ist es, dass sie dann etwas später am Vormittag einen gesunden und nahrhaften Znüni zu sich nehmen. Vata-Kinder haben manchmal Hunger und manchmal nicht, was ein bisschen stressig für die Eltern sein kann, da sie nie wissen, was sie morgens erwartet. Mein Sohn ist ein Pitta-Kind, das heisst er wird quasi geweckt vom Hunger und er kann direkt vom Bett an den Frühstückstisch sitzen. Bei den Erwachsenen verhält es sich übrigens gleich.

Wenn ihr euch ebenfalls einen energievolleren Start in den Tag wünscht, dann probiert es mal mit dieser Morgenroutine. Alles in allem brauche ich dafür 15-20 Minuten, was für mich eine kleine Investition mit grossem Nutzen ist.

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